| Kategorie: | Deutsch |
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| Eingesendet: | 17.11.2006 |
| Wörter: | 16985 |
| Autor: | Ikarikun |
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Watzlavick
spricht in seinem Buch über die „Wirklichkeit“, die jeder, für sich, anders
empfindet. Ich möchte diese These unterstützten und weitere Beispiele dazu
finden und diese darstellen. So werden beispielsweise die Wirklichkeiten im
Buddhismus, oder allgemein die Wirklichkeiten der Religionen betrachtet.
2. Watzlavicks These
Seine
These handelt vom „Erfinden der Wirklichkeit“, wie er in seinem Buch „Vom
Unsinn des Sinns“ (72) schreibt. Sie lässt sich dem „Radikalen
Konstruktivismus“ zuordnen, diese Denkrichtung bezieht sich auf den 1970
veröffentlichten „Forschungsbericht“ „Biology of Cognition“ von Humberto
R. Maturana, in dem er eine Theorie der Wahrnehmung vorstellt.
Watzlavick
publizierte diese Theorie nur durch seine unzähligen Bücher. Wie gesagt folgen
nun Beispiele, in denen sich Situationen ergeben/ergaben, in welchen Menschen
tagtäglich ihre eigene Wirklichkeit konstruieren und sich so eine „andere Ebene
der Existenz“ schaffen.
3. Wirklichkeitsform: Religionen
Eine
alltägliche und eindeutige Wirklichkeitskonstruktion spiegelt sich in den
Religionen wieder, Millionen Menschen sehen „Allah“, „Jahwe“ „Gott“ oder gleich
mehrere „gottähnliche Wesen“ als wahr an, doch woher wissen sie so genau, welcher,
oder ob, eine dieser Theorien, denn nichts anderes sind Religionen, wahr ist?
Meist
begründen sich Religionen nur auf vor mehreren Tausenden von Jahren gemachte
Beobachtungen. Jesus hat blinde Menschen geheilt, Menschen vor 2000 Jahren
haben auch noch nicht den Aufbau des Auges gekannt. Was ist, wenn sie einfach
nur eine Situation „falsch“ interpretiert haben? Gut, zugegeben, für sie war es
wirklich der Messias; für uns heute wäre es vielleicht einfach dem
medizinischen Geschick des Arztes zu verdanken, wenn ein Mensch wieder sehen
könnte. So könnte auch, wie in Andreas Eschbachs Roman „Das Jesus – Video“
Jesus einfach ein Zeitreisender gewesen sein; dies würde sich zumindest für
manche Theologen logisch anhören, wie diesen bekannt sein wird, ist über Jesus
Kindheit eben fast nichts bekannt, so könnte man schlussfolgern, dass Jesus
eben keine Kindheit in diesem Zeitalter hatte. Aber diese Frage sollte doch
besser von Theologen bearbeitet werden.
Die Wirklichkeitsveränderung muss nicht unbedingt
unterbewusst sein, sie kann auch gewollt erfolgen, Computerspiele bilden in
diesem Zusammenhang eine Möglichkeit den Spieler in verschiedene Realitäten zu
versetzten. Der Spieler läuft mit seinem „Charakter“, der er selbst modelliert
hat, durch suspekte Welten und erforscht seine Vorstellungen nach diese Welt,
dabei kann die Umgebung sehr vielfältig und verschieden sein, sodass immer
wieder interessant sein kann, neue Spiele zu spielen und kaufen.
5. Wirklichkeitsperfektion: Buddhismus
Im
Buddhismus gibt es auch zwei verschiedene Wirklichkeiten. Er unterscheidet
zwischen der relativen Wirklichkeit, welche sich nicht eindeutig erklären und
definieren lässt, sie wird von jedem (nichterleuteten) Wesen individuell
erfunden. Also der Alltag, des Buddhisten in der „Hier- Welt“ (Samsara).
Die
absolute Wirklichkeit beschreibt den Vorgang im „Nirwana“. In dem jeder Mensch
die relative Wirklichkeit sieht, und wie diese perfekt ablaufen sollte, sodass
der Buddhist nach der Reinkarnation seine relative Wirklichkeit möglichst so
gestaltet, dass sie möglichst passend zur absoluten Wirklichkeit wird. Dennoch
gilt auch hier wieder: bisher hat niemand etwas von „der perfekten“
Wirklichkeit berichtet.
6. Wirklichkeitsunterschiede: Tiere
Der Hund
sieht beispielsweise nicht wie der Mensch, seine Rezeptoren reichen nur von
Gelb bis Violett, nicht wie beim Menschen von Rot nach Violett, das Rote fehlt
dem Hund also, vermutlich nimmt der Hund das Rot als Gelbton wahr, wobei seine
„Wirklichkeit“ nun gar kein Rot kennt. Ist es jetzt falsch, wenn der Hund sagen
würde: Es gibt kein Rot!? Besser wäre wohl: Für ihn gibt es kein Rot. Wenn wir
das nun auf den Mensch beziehen, so ist er doch in seiner Wahrnehmung
beschränkt: Wenn ein Hund fragen würde: Riechst du nicht das Reh? So würden wir
sicher mit „Nein, da ist nichts“ antworten, allerdings ist im Gebüsch unter
Umständen doch ein Reh, sodass wir mit „Nein, für mich ist da kein Reh“
antworten sollten.
7. Wirklichkeitsdifferenzen: Sprachen
"Sprache ist eine ausschließlich dem Menschen
eigene, nicht im Instinkt wurzelnde Methode zur Übermittlung von Gedanken,
Gefühlen und Wünschen mittels eines Systems von frei geschaffenen Symbolen."
(zitiert nach John Lyons, 4. Auflage, 1992, S. 13)
Aus diesem
Ausschnitt wird deutlich, wie stark sich Sprachen unterscheiden können, es
gibt, laut Schätzungen 3.000 bis 10.000 Sprachen. Diese Schätzungen sind aber
nicht genau begründet, da jeder Wissenschaftler eine Sprache anders definiert;
und es gibt nicht ohne Grund so viele Sprachen, denn wie oben vermerkt ist die
Sprache nicht im Instinkt verankert, weshalb der Mensch „Sprache“ erst lernen
muss um sich dann mit Menschen auseinander zu setzen. Menschen waren bis zum
Römischen Zeitalter so gut wie isoliert, so entwickelten sich in Asien, Europa
und Afrika viele einzelne Sprachen. Allerdings wurden anderen Völkern auch
Sprachen aufgezwungen, wie zum Beispiel in Amerika.
8. Wirklichkeitszwang: Währung
Ähnlich
wie die Sprachen entwickelten sich auf vielen Teilen der Erde unterschiedliche
Währungen, jeder Herrscher zwang seinem Volk eine andere Zahlungsform auf.
Heute gibt es „Leitwährungen“, eine Leitwährung lässt sich an der Summe der
internationalen „Benutzung“ messen, beispielsweise für Transaktionen (2003: $: 63,8%
; €: 19,7%). Diese Leitwährungen haben sich somit aus den größten expandierten
Staaten herauskristallisiert und haben somit einen Status als „Weltwährung“
erhalten, was Eindeutigerweise die USA darstellt, allerdings nimmt die
Währungsbeteiligung dieser Währung in der Welt von Jahr zu Jahr ab, das „Europa
– Währungsbündnis“ verdrängt langsam den Dollar; eine Währung muss also nicht
immer geschichtliche Hintergründe haben. Trotzdem werden heute immer noch die
Bewohner der Länder in die Währung gezwungen, ob nun gewollt oder nicht.
9. Wirklichkeitsillusion: The Matrix
In diesem
Film wird ein Beispiel gezeigt, nachdem eine Wirklichkeit künstlich konstruiert
wird; „Maschinen“ bauen für die Menschen eine Welt, an der sie leben können, um
sie von der „schrecklichen Wirklichkeit“ abzulenken. Doch die Menschen in
dieser „Matrix“ denken, dass die „Matrix“ die Wirklichkeit ist. Eine solche
Situation lässt sich mit der Theorie Watzlavicks durchaus vergleich: Für jeden
Menschen ist, laut dieser These, sein Leben eine „Matrix“, da jeder Mensch
seine eigene „Welt“ konstruiert. Trotzdem ist es nur ein Film, zudem ein
Science Fiction – Film, weshalb alles auch nur Fiktion sein könnte.
10.
Wirklichkeitsideal: Ideologie
Eine
Ideologie beschreibt also, nach Watzlavick, die, von einem oder mehreren
Menschen vorgegebene Form, des Daseins. Ob dieser Mensch nun seine
„Daseinsberechtigung“ in dieser Gesellschaft, oder Gruppierung, Sekte oder was
auch immer, erhält, entscheidet demnach der „Ideologe“, der eine axiomatische
These aufgestellt hat, der alle „Anhänger“ folgen. Das Wort „Ideologie“ muss
nicht negativ behaftet sein, allerdings liegt diese Beurteilung, ob eine
Ideologie negativ oder positiv ist, wieder im Auge des Betrachters. Bekannte
Ideologien sind beispielsweise die Marxistischen Lehren, natürlich auch der
Antisemitismus oder das Demokratische Weltbild. Hieran lässt sich einfach, das
oben erwähnte, „Aus dem Auge des Betrachters“ – Prinzip erklären:
Für Karl
Marx (und Friedrich Engels) wäre die Vorstellung negativ, dass das
Demokratische Wesen weiter bestehen könne, allerdings hat sich das System in
der „westlichen Welt“ „bewährt“ (ob nun negativ oder positiv ist wieder dem
Betrachter überlassen).
Für die
heutigen Demokraten sind die Marxistischen Lehren suspekt, die ehemalige UDSSR
hat gezeigt, dass eine Gesellschaft auch unter der „Führung des Proletariats“
bestehen kann, zu einem Kommunismus kam es dann allerdings nicht, der
Sozialismus hat sich ergeben.
11. Wirklichkeitsillusion: Drogen
Drogen
verändern das eigene „Selbst“, also die individuelle Wirklichkeit der Person,
zu einer, von der Person so empfundene, „angenehme“ Umwelt. Hier findet eine
physische oder psychische Veränderung der Persönlichkeit statt, bei der
physischen Sucht tritt im Körper direkt eine chemische Reaktion der
Abhängigkeit auf; hier bekommt der Süchtige beispielsweise Krampfanfälle beim
Vorenthalt von Alkohol. Hingegen bei der psychischen Sucht „verändert“ die
Droge den „Geist“ oder die Persönlichkeit des Abhängigen und „spielt ihm vor“,
er könne ohne diesen „Stoff“ nicht mehr existieren; hier wird die Wirklichkeit
also direkt beeinflusst und auch eventuell verändert. Eine Droge ist laut der
WHO definiert als eine „Substanz“, die im menschlichen Organismus eine Funktion
verändern kann. Wenn man nun die Gesellschaft betrachtet, ist sie eigentlich
nur eine Form, in die alle an ihr beteiligten Menschen „hineingepresst“ werden.
Sie wollen vielleicht eine ganz andere Lebensform, eine andere Sprache, eine
andere Lebensart, eine andere Währung oder vielleicht eine andere Religion;
doch sie werden seit ihrer Geburt auf diese Wirklichkeit eingedrängt. Die
Gesellschaft ist eine Welt – Droge.
12. Zusammenfassung
Die obigen
Beispiele zeigen, wie sich jedes Individuum seine Wirklichkeit konstruieren
könnte. Jedes Lebewesen schafft sich seine eigene „Ideologie“ allerdings wird
diese an die heutige bzw. an die Gesellschaft der bestimmten Region angepasst.
Ängstliche Menschen mögen meinen, dass wir alle nur „gesteuerte“ Drohnen in
einer viel zu schnell wachsenden Welt sind. Ob die These von Watzlavick nun
wahr oder falsch ist lässt sich heute nicht eindeutig klären, aber spätestens
nach dem Tod werden diese Fragen wahrscheinlich aufgelöst. Obwohl ich schon
meine eigene Wirklichkeit ausdrücke, bleibt doch nur das Abwarten.
Anmerkung des Einsenders: Für alle, die an diesem Buch verzweifeln; es geht hierrin auch um seine "These" auf reelle Dinge bezogen
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