Mehr als nur ein Versuch

Tue, 18 Apr 2017 13:42:00 GMT von

Matthias Steiner, der Olympiasieger von 2008 im Gewichtheben und damalige "Stärkste Mann der Welt", veröffentlicht sein erstes Album. Das mag auf den ersten Blick verwundern. (Bilderstrecke)

Und dennoch sei "Zurückgeliebt", so der Titel, kein Schnellschuss, betont Steiner im Interview. Mehr als zweieinhalb Jahre habe er an den Schlager-Pop-Songs gearbeitet, die der 34-Jährige schlicht unter deutschsprachiger Musik verbucht. Ohnehin kritisiert der ehemalige Sportler, dass "viele ein gewisses Schubladendenken haben". Auf Vorurteile würde er sicher auch stoßen, "wenn ich jetzt beispielsweise ein Fernsehkoch werden würde". Für den Mut, etwas Neues zu probieren, verdient er zumindest Anerkennung. Denn: Viele andere wagen das nicht.

magistrix: Herr Steiner, wie lautet Ihre aktuelle Berufsbezeichnung? Zur Auswahl stehen ehemaliger Sportler, Ex-Tanzshowteilnehmer, Motivator und Ernährungsexperte und jetzt auch Sänger.

Matthias Steiner: Das können wir ganz einfach klarstellen: Mit Tanzen habe ich nicht viel am Hut. Bei "Let's Dance" habe ich das über die Bühne gebracht und Erfahrungen gesammelt. Ehemaliger Sportler stimmt natürlich. Diese Bezeichnung wird mir ewig bleiben, weil ich kein Leistungssportler mehr bin. Da ich Typ-1-Diabetes habe und darüber aufkläre, bin ich automatisch ein Motivator. Das ja! Das Wort "jetzt" allerdings in Verbindung mit meinem nächsten Schritt als Sänger ist mir zu hart. Denn: Ich habe nicht erst gestern angefangen zu singen.

magistrix: Was gab den entscheidenden Anstoß für Ihre Musikkarriere?

Steiner: Sie entstand letztendlich dadurch, dass ich 2013 zum ersten Mal bei "Inas Nacht" zu Gast war. Dort habe ich einen Song von Peter Cornelius gesungen. Daraufhin kam eine Anfrage vom ORF für eine biografische Sendung. In dieser saß ich plötzlich zusammen mit Cornelius und habe mit ihm gesungen. Ein paar Tage später wiederum bin ich zusammen mit meiner Frau in einer Show bei Florian Silbereisen mit einem Weihnachtslied aufgetreten. Das alles blieb zunächst nur ein Spaß, bis dann auch erfahrenen Leute aus dem Musikbusiness an mich herangetreten sind.

magistrix: Es ist eher ungewöhnlich, wenn ein berühmter Sportler nach seiner Karriere plötzlich Sänger wird. Viele erfolgreiche Beispiele gibt es dafür nicht.

Steiner: Es ist natürlich schwierig, wenn du als bekannter Mensch das Genre wechselst. Durch den Olympiasieg 2008 in Peking verbindet man meine Person zunächst immer mit dem Gewichtheben. Jedoch: Soll jeder Leistungssportler nach seiner Karriere etwa immer ein Trainer werden? Diese Posten gibt es doch nur begrenzt. Würde jeder Ex-Sportler diesen Weg wählen, gäbe es bald mehr Coaches als Sportler.

magistrix: Die Erwartungen an einen Sportler sind eben andere.

Steiner: Es ist leider schon ein bisschen so, dass wir da ein gewisses Schubladendenken haben. Tatsächlich aber machen wir immer wieder auch den Fehler, wenn wir alles in Schubladen stecken wollen. Beim Gewichtheber beispielsweise heißt es immer, er könne sonst nichts außer viel essen - nur dann werde er stark. Oder beim Schlager, zumindest beim volkstümlichen: Hier werden immer Lieder über die Berge, die Sonne und Wolken erwartet. Ich glaube aber, gerade der Schlager hat sich heute so weiterentwickelt, dass man ihn eben nicht mehr einfach einordnen kann.

magistrix: Wie würden Sie Ihre Musik also bezeichnen?

Steiner: Es ist deutschsprachige Musik. Ich kann sie nicht unter Rock verbuchen, aber auch nicht pur unter Pop oder Schlager. Ich glaube, es ist uns eine schöne Mischung gelungen.

magistrix: Englische Texte kamen für Sie nicht in Frage?

Steiner: Bei den ersten Gehversuchen probierte ich tatsächlich einige englische Songs aus. Sie klangen für mich allerdings nicht überzeugend. Und ich fühlte mich dabei auch nicht besonders wohl. Ebenso bei Versuchen mit Dialekt - obwohl ich gerade den Austro-Pop sehr gerne mag. So sind wir beim deutschsprachigen Schlager-Pop gelandet.

magistrix: Waren Sie schon immer musikalisch?

Steiner: Ich habe Zeit meines Lebens gerne gesungen. Als Kind lernte ich zunächst Akkordeon, später Klavier. Am Piano hatte ich dann sogar meine ersten Auftritte. Später allerdings entschied ich mich für den Leistungssport, verlor die Musik aber nie aus den Augen.

magistrix: Wie groß war Ihr Einfluss bei der Produktion der Songs?

Steiner: Bei den Musikarrangements redete ich bis zum Schluss ein großes Wörtchen mit. Unbedingt vermeiden wollte ich den Einsatz von Synthesizern, nur um schnell etwas zu produzieren, das möglichst hörbar für jedermann klingt. Auf dem Album ist ausschließlich handgemachte Musik zu hören. Wirklich alle Instrumente wurden im Studio eingespielt. Ich habe zudem Wert darauf gelegt, dass überall noch ein bisschen E-Gitarre dabei ist.

magistrix: Wie wichtig sind die Texte? "Zurückgeliebt", die erste Single beispielsweise, ist ein sehr persönlicher Song.

Steiner: Sehr wichtig: Sie sind größtenteils autobiografisch auf der einen Seite, aber auch transportfähig für den Zuhörer, sodass er sich selbst auch mit dem Text identifizieren kann.

magistrix: Wie viele der Texte stammen von Ihnen?

Steiner: Ich kann mir nicht anmaßen, dass ich die Texte geschrieben hätte. Sie stammen größtenteils aus der Feder von Rudi Müssig. An Kleinigkeiten feilte ich mit. Insgesamt habe ich bei der Musik mehr mitgeredet als bei den Texten.

magistrix: Auf die Party-Nummer, mit der sich Musik-Quereinsteiger gern in die Charts drängen, verzichteten Sie auf Ihrem Debüt ganz bewusst ...

Steiner: Zum ersten bin ich das nicht. Und zum zweiten hätten wohl einige erst recht gesagt, jetzt macht der Steiner einfach nur etwas Musik, weil ihm ansonsten langweilig ist.

magistrix: Statt des schnellen Hits wollen Sie also die dauerhafte Karriere?

Steiner: Das wäre schön. Ansonsten würde ich den ganzen Aufwand, auch mit Vocal-Coaching und Gesangstraining, nicht treiben. In den letzten zweieinhalb Jahren habe ich schon relativ viel Zeit investiert. Ich bin viel gereist, oft im Studio gewesen und probierte viel aus. Das mache ich nicht nur einfach aus Jux.

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