Eine Band, keine Freunde

Fri, 04 Sep 2015 16:08:00 GMT von

Das hat es in den letzten 20 Jahren nur selten gegeben: Morten Harket (55), Magne Furuholmen (52) und Pål Waaktaar-Savoy (53) sitzen in ein und demselben Hotelraum, um der Presse Rede und Antwort zu stehen.

"Sobald wird das wohl auch nicht wieder passieren", kommentiert Sänger Harket die Situation gewohnt trocken. Denn wirklich grün war sich das norwegische Trio a-ha nie. Als es Ende März seine Wiedervereinigung ankündigte, schickte man gleich hinterher, dass sich dies nur auf ein Album mit anschließender Tour beschränken würde. Wie a-ha ihre Reunion nach nur fünf Jahren empfinden, wie es überhaupt zu ihrem zehnten Studioalbum "Cast In Steel" kam und wieso sie sich auf Tour kaum begegnen, erzählen sie ganz entspannt beim Interview in Berlin.

magistrix: Wie viele Geburtstagskarten haben Sie sich gegenseitig geschickt in den fünf Jahren seit der Trennung von a-ha?

Morten Harket: Geburtstagskarten? Wir sind doch keine Frauen!

magistrix: Textnachrichten aufs Handy?

Harket: Es passiert, wenn es passiert. Wir handhaben das sehr locker.

Magne Furuholmen: Wenn mal eine kommt, sind wir immer überrascht, von dem anderen zu hören.

Harket: Aber so muss es in Beziehungen auch sein: Erhalte die Überraschungsmomente!

magistrix: Ein "Hallo, wie geht's dir?" hat es also schon gegeben?

Harket: Hören Sie, das hier ist keine romantische Beziehung. Die Romantik bezieht sich bei uns nur auf die Musik. Für sie jagen wir den Momenten hinterher, in denen zwischen uns Magisches passiert.

magistrix: Vielleicht hätten Sie öfter zusammen einen trinken gehen sollen, um richtig gute Freunde zu werden!?

Furuholmen: Ja, vielleicht hätten wir auch mehr Drogen nehmen sollen. (lacht) Vielleicht tun wir das mit 90, und dann werden wir drei noch dicke Freunde. Damit überraschen wir dann alle!

magistrix: Wie ist das denn auf Tour, haben Sie da drei Busse?

Furuholmen: Das haben wir noch nicht ausgemacht. Aber wir leben auf Tour und auch sonst sehr getrennte Leben voneinander. So ist es schon viele Jahre.

Harket: Das hat pragmatische Gründe: Wenn wir arbeiten, muss es funktionieren. Jeder von uns hat zwar ähnliche Bedürfnisse, aber unsere Herangehensweise, damit umzugehen, ist nicht zwingend dieselbe.

magistrix: Ist es schon vorgekommen, dass Sie sich an einem Konzerttag das erste Mal auf der Bühne begegnet sind?

Furuholmen: Nein, meist geschieht das backstage, kurz bevor wir die Bühne betreten.

Harket: Aber dafür gibt es keinen ausgearbeiteten Plan. Und außerdem: In einem Operationssaal in einem Krankenhaus sitzen die Beteiligten auch nicht vorher zusammen und unterhalten sich. Der Arzt geht direkt an die Arbeit und hat ein professionelles Team um sich herum. Sie sind da, um einen Job zu machen. Davor respektieren sie das Privatleben des Anderen. Das heißt nicht, dass sich die Leute nicht mögen.

Furuholmen: Es ist aber durchaus möglich, dass sie sich nicht mögen, das macht das Ergebnis aber nicht schlechter.

Harket: Weil sie das Gefühl nicht mit an den Operationstisch bringen. Sie sind für etwas anderes das als für sich selbst.

magistrix: Ihr Kollege Pål Waaktaar-Savoy sagte wenige Wochen vor der finalen Tour bereits: "Ich will ja gar nicht a-ha begraben, aber die anderen wollen es!"

Furuholmen: Stimmt. Das war genau die Situation: Morten und ich wollten raus aus den Verpflichtungen mit a-ha. Pål hätte gerne noch ein Album gemacht. Diesmal hatten Morten und Pål bereits mit einigen Aufnahmen angefangen. Das war für mich eine völlig andere Situation als noch 2010. Es fiel mir so viel leichter, "Ja" zu sagen.

Harket: Es klingt immer alles so, als hätten wir versprochen, niemals zurückzukommen ...

Furuholmen: Man kann uns eben nicht trauen.

magistrix: Die Gerüchte über eine Reunion gab es schon im letzten Jahr. Da haben Sie, Herr Harket, aber noch alles abgestritten. Ab wann wussten Sie, dass es a-ha wieder geben würde?

Harket: Das ist nicht die Frage. Die Frage ist, ab wann wollen wir darüber reden? Ich habe nicht gelogen damals, ich hatte nur keine andere Antwort darauf, weil noch nichts in trockenen Tüchern war. Wir haben erst mal viele Gespräche darüber geführt. Denn wir alle wissen, welche Verpflichtungen ein "Ja" mit sich bringt. Du musst quasi alles andere in deinem Leben auf Warteschleife packen. Und vor einer Albumaufnahme gibt es noch kein "Wir". Aber wenn es fertig ist, dann sind wir im besten Falle ein "Wir".

Furuholmen: Ich denke, wir wussten es vor genau neun Monaten. Damals fällten wir die Entscheidung, dass wir eine Reunion nur mit neuem Album machen. Nach der neunmonatigen Schwangerschaft ist das Baby nun da.

magistrix: Mögen Sie das Wort Reunion? Oder gefällt Ihnen Comeback besser?

Pål Waaktaar-Savoy: Wir denken nicht an solche Wörter, wenn a-ha jetzt wieder loslegen. Wir machen einfach das, was am besten für uns funktioniert. Außerdem waren alle Pausen, die a-ha bisher machten, letztendlich immer positiv für die Band.

Furuholmen: Mit dem Wort "Comeback" fingen sie bei uns schon beim zweiten Album an. Eigentlich war jedes unserer Alben ein Comeback. Vielleicht müssen wir mal länger pausieren, damit es wirklich eins ist.

magistrix: War es Ihnen trotzdem unangenehm, als Sie die Reunion nach nur fünf Jahren bei einer Pressekonferenz verkünden mussten?

Furuholmen: Ach nein, es fühlte sich nicht viel anders an als bei anderen Pressekonferenzen. Es ist generell immer ein bisschen peinlich.

Waaktaar-Savoy: Das Lustige war ja, dass niemand uns danach fragte. Die Worte Reunion oder Comeback fielen nicht einmal. Keine Ahnung, ob da vorher gesagt wurde, dass man das doch bitte zu unterlassen habe. Gewundert hatte ich mich schon.

Furuholmen: Vermutlich waren sie nur höflich. Wir entschieden uns 2010 nun mal, für immer auseinanderzugehen. Und dann machten wir einen Rückzieher. Dann erwartest du eigentlich jede Menge blöder Fragen.

Harket: Ich kann den Wirbel darum nicht verstehen. Ich finde, Reunions sind eine sehr natürliche Angelegenheit. Wir hörten auf, weil wir es wollten und keinen Sinn mehr darin sahen, mit a-ha weiterzumachen. Und das war damals die Wahrheit. Wir wurden immer von der Presse festgenagelt, nach dem Motto: "Könnt ihr garantieren, dass der Split für immer ist?" Und wir antworteten: "Wir können nicht hellsehen!" Und nun ist es wie ein neues Projekt, auf das man sich zusammen einlässt. Da ist nichts Merkwürdiges daran. Es sei denn, wir springen uns an die Gurgel und töten uns gegenseitig - dann wissen wir, dass es mit a-ha wirklich vorbei ist.

magistrix: Herr Harket, Sie sagten mal, dass von dem Moment, als a-ha 2010 die Bühne verließen, ihnen immer wieder horrende Summen für eine Wiedervereinigung angeboten wurden. War die Summe also diesmal unschlagbar hoch?

Furuholmen: Die kurze Antwort ist ja. Die längere Antwort ist komplizierter.

Morten Harket: Das mit dem Geld muss man erwachsen sehen. Geld ist ein Schmierstoff für die Maschine. Anderenfalls hätte man keine professionellen Leute um sich, die ihre Jobs in unserem Sinne erledigen. Damit alles funktioniert, müssen nun mal auch die Finanzen stimmen.

Waaktaar-Savoy: Aber wir hätten das hier nicht gemacht, wenn wir nicht der Meinung wären, dass wir auch etwas tolles Neues zu teilen hätten. Wir haben ja im Geheimen angefangen, an der Platte zu arbeiten, um überhaupt erstmal zu sehen, ob dabei etwas herumkommt.

Harket: Die Reunion basiert auf guten Songs. Wenn sich etwas falsch anfühlt, sagen wir immer noch "Nein". Das Geld war also nicht treibende Kraft der Reunion, auch wenn wir es sehr respektieren.

magistrix: Herr Waaktaar-Savoy, Sie sagten 2010 noch, dass die Chemie innerhalb der Band sehr destruktiv sein kann. Wie ist das heute?

Harket: Immer noch destruktiv! (lacht) Nein, mal im Ernst: Klingt das neue Album destruktiv? Oder nicht vielleicht doch aufmunternd? Hat das Wiederaufeinandertreffen also Früchte getragen? Wir legten die Messlatte sehr hoch, das war die eigentliche Herausforderung für uns.

Furuholmen: 2010 hatte ich das Gefühl, da wäre nichts mehr zu tun für die Band. Aber nun bin ich glücklich, dass wir diese Platte gemacht haben.

magistrix: Sind diesmal denn nun mehr Songs aus Ihrer Feder auf der neuen Platte, Herr Harket? Denn Sie haben ja mittlerweile als Solo-Künstler viele Songs geschrieben.

Harket: Zwei Songs der zwölf stammen aus meiner Feder und aus der von meinem Songwriting-Partner Peter Kvint. Für mich muss es sich ganz natürlich anfühlen, dass ein Song auf ein a-ha-Album gehört. Nicht nur bei meinen Songs, auch bei denen der anderen.

magistrix: Der Song "Forest Fire" erinnert sehr an "Take On Me". Gewollt?

Furuholmen: Absolut.

Harket: Er erinnert noch nicht genug daran!

Furuholmen: Die Band The Strokes veröffentlichte 2013 mit "One Way Trigger" einen Song, der den "Take On Me"-Rhythmus aufgriff. Ein echt cooles Stück Musik, das ganz offensichtlich von uns inspiriert war. Also gab es den Ansatz: "Wir holen uns unser Lied zurück". Es war ein Experiment. Aber wir müssen uns zumindest nicht dafür schämen.

magistrix: Feierten Sie damals Ihren Erfolg mit "Take On Me" vor 30 Jahren wenigstens zusammen?

Furuholmen: Das haben wir tatsächlich! Als wir damit zur Nummer eins in Amerika wurden, war das ein riesiger Moment für uns. Es gibt sogar ein dreiminütiges Video davon, in dem man Morten auf einem Tisch tanzend sieht. Selten, aber schön.

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