"Schmusesänger ist ein Schimpfwort!"

Fri, 05 Dec 2014 09:45:00 GMT von

Nach seinen Abenteuern als Rockabilly Dick Brave kehrt Sasha nun wieder als Popstar ins Rampenlicht zurück. Mit "The One" präsentiert er das erste Sasha-Album seit fünf Jahren und tobt sich stilistisch ordentlich aus.

Erstmals nahm der 41-jährige Wahl-Hamburger auch im Chefsessel Platz, was Produktion und Business-Seite der Platte betrifft. Und auch sonst hat sich einiges im Leben des einstigen Teenie-Schwarms verändert, wie er im Interview erzählt.

magistrix: "The One" ist Ihre erste Pop-Platte in fünf Jahren. Was ist diesmal anders?

Sasha: Ich produzierte die neue Platte quasi selbst. Ich wollte mir diesmal von niemandem reinreden lassen. Man muss sich ja auch selber ein bisschen vertrauen. Ich gründete jüngst mein eigenes Label. Es sind also gleich mehrere Neuanfänge auf einmal für mich. Die Kehrseite der Medaille ist, dass man viel mehr Verantwortung hat und sich mit vielen Sachen beschäftigen muss, mit denen ich mich vorher nie beschäftigen musste und wollte: der Business-Seite. Und deshalb rattert jetzt die Rübe.

magistrix: Spüren Sie so etwas wie Druck?

Sasha: Ich habe keine Angst vor Misserfolg, aber ich wünsche mir den Erfolg für diese Platte sehr, weil sie mir so viel bedeutet. Druck ist schon auch da; nämlich der, den man sich selber macht. Aber den kann man auch wieder wegkriegen, indem man einfach mal tief durchatmet und schlechte Gedanken vertreibt.

magistrix: Es ist 16 Jahre her, seitdem Sie Ihr Debüt veröffentlicht haben. Kommt Ihnen das so lang vor?

Sasha: Oh ja. Es fühlt sich fast wie ein anderes Leben an! Die ersten fünf, sechs Jahre nach dem Durchbruch rauschten vorbei wie keine andere Zeit in meinem Leben. Ich war in Italien, Portugal, Polen - aber ich konnte selten den Moment richtig genießen. Jene Zeit ist für mich wie eine Blase, die ich immer noch versuche zu durchleuchten, aufzudröseln in Erinnerungen, weil ich viele gar nicht mehr habe - nur vereinzelt poppen so Sachen auf, die eindrucksvoll waren.

magistrix: Was denn?

Sasha: In Thailand um sechs Uhr das erste Interview zu geben und um Mitternacht das letzte. Daran erinnere ich mich gut: In Asien war ich der blonde Europäer - ich wurde ständig angefasst, besonders gern an den Haaren. Damals trug ich noch eine blonde Porno-Locke.

magistrix: Sie waren insgesamt 17 Mal auf dem "Bravo"-Titel - öfter schaffte es nur Nena!

Sasha: Dabei war ich schon als ich anfing eigentlich zu alt für die "Bravo". Trotzdem war ich stolz. Denn als Teenager eiferte ich George Michael nach - auch optisch. Und ich dachte immer: Wow, wenn man da mal vorne drauf ist, hat man es geschafft! Also habe ich mein erstes "Bravo"-Cover ordentlich abgefeiert. Auch wenn mir die Posen, die ich dafür machen musste, ein bisschen albern vorkamen für einen 26-Jährigen. Das Lustige ist, dass ich letzte Woche nach vielen Jahren wieder ein "Bravo"-Interview gegeben habe. Die sehen jetzt wohl den netten Onkel in mir.

magistrix: Immer noch besser als als Schmusesänger gesehen zu werden. So nannte man Sie ja gern nach Ihrem Hit "If You Believe".

Sasha: Es denken ja alle immer, dass das ein Liebeslied ist, aber es ist ja eigentlich ein Bumslied!

magistrix: Gut, dass dieses Geheimnis nach 16 Jahren nun auch gelüftet ist ...

Sasha: Schmusesänger finde ich jedenfalls echt schlimm. Das ist doch keine Bezeichnung! Den Ausdruck gibt es gar nicht. Das ist wie mit dem Wort Cerealien - das haben Leute auch einfach erfunden.

magistrix: Was stört Sie so am Schmusesänger?

Sasha: Dass man damit reduziert wird! Und das ist dann ausschlaggebend für das Image, das man über Jahre mit sich herumträgt. Auch ein Peter Maffay muss immer noch den Schlagersänger mit sich herumtragen, obwohl er seit 20 Jahren handfeste Rockmusik macht. Ich empfinde Schmusesänger wirklich als Schimpfwort.

magistrix: Haben Sie deshalb für Ihre neue Platte Liebessongs aufgenommen, die nicht nach Schmusen klingen?

Sasha: Liebe ist das große Thema auf diesem Album, in ihren verschiedenen Facetten und Varianten - und das auch musikalisch. Es sind fünf Jahre vergangen seit dem letzten Sasha-Alben. Für mich ist ein neues Zeitalter angebrochen - auch altersmäßig: Die Hälfte der Lebenszeit ist mit 41 rum. Vielleicht merkte ich auch dadurch, dass es jetzt ein guter Zeitpunkt ist, mal wirklich neu anzufangen. Ich habe zwar nicht die Currywurst neu erfunden. Aber für mich ist es so, dass ich über die Liebe endlich mal frei singe, weil ich mich lange sperrte oder das Thema verklausulieren wollte, um eben nicht mehr als der Schmusesänger wahrgenommen zu werden, sondern als erwachsener Künstler und Songwriter. Ich wollte also vorher so unkitschig wie möglich klingen. Das Wort Liebe in dem Kontext Liebe habe ich gar nicht erst in den Mund genommen. Was ja Quatsch ist. Deshalb ist diesmal mein einziges Dogma, kein Dogma zu haben. Wenn ich Bock habe, "I love you, baby" zu schreiben, dann schreibe ich "I love you, baby".

magistrix: Hat sich für Sie auch Liebe im alltäglichen Leben verändert?

Sasha: Ich bin in einer wunderbaren Beziehung. Ich bin extrem verliebt und kann dann auch nicht anders, als darüber Songs zu schreiben. Mit jedem Album macht man eine Momentaufnahme seines Lebens, wenn man denn generell dafür aus seinem Leben schöpft. Das ist mir nicht immer leicht gefallen, ehrlich gesagt, aber diesmal schon. Weil ich es einfach auch zuließ, es so rausplumpsen zu lassen, ohne erst einen Filter oder ein Gitter anzulegen.

magistrix: Wie ernst ist es denn nun mit Ihnen und Ihrer Freundin?

Sasha: Sehr ernst. Wir reden über Hochzeit. In einem Magazin waren wir sogar schon verheiratet. Das Gute ist, dass ich dann ihren Namen annehmen kann, wenn wir heiraten, denn Röntgen finde ich viel cooler als Schmitz.

magistrix: Würden Sie das wirklich tun?

Sasha: Nein, das kann ich dann auch wieder nicht. Ich tendiere schwer zu Doppelnamen. Aber ich habe festgestellt, dass das nicht mehr so einfach ist, dass beide den Doppelnamen haben: Einer behält seinen Namen, und der andere muss sich entscheiden, den Doppelnamen zu tragen.

magistrix: Dann wissen wir jetzt, dass Sie die Person mit dem Doppelnamen sein werden ...

Sasha: Wahrscheinlich wird es so kommen.

magistrix: Haben Sie denn schon einen Kniefall gemacht?

Sasha: Nee, noch nicht. Es muss ja auch der richtige Zeitpunkt dafür da sein. Im Moment arbeiten wir sehr viel, und wir arbeiten ja auch zusammen, das ist für beide gleichermaßen anstrengend. Nicht das eigentliche Miteinanderarbeiten, sondern was gerade alles passiert. Aber wir haben gesagt, wir probieren das einfach mal aus, weil Julia genau das kann, was ich gerade brauche, wenn es um Pressearbeit geht.

magistrix: Wenn das erste Kind kommt, würden Sie uns dann auch aus dem Kreißsaal mit Videos bespaßen - so wie jüngst Ihr Kollege Robbie Williams?

Sasha: "If You Believe" singen am Krankenbett? Ich glaube nicht. (Anm. d. Red: Freundin Julia droht von der Ferne Schläge an.) Das kann man nicht bringen. Für mich war es einen drüber, aber trotzdem humorvoll. Wenn beide damit einverstanden sind, ist es total okay. Vielleicht mache ich es beim verflixten siebten Kind, das kann man dann opfern.

magistrix: Planen Sie eine Großfamilie?

Sasha: Erstmal klein anfangen, dann schauen wir mal weiter.

magistrix: Sie werden ja generell gerne als der deutsche Williams gesehen.

Sasha: Ja, ja, ich bin immer der deutsche Irgendwas. Ich war auch schon der deutsche Ricky Martin.

magistrix: Ihr neuer Song "Me And My Gorilla" erinnert ein bisschen an ihn ...

Sasha: In dem Song geht es um Liebe zu sich selber. Ich beschreibe den Affen in mir. Bei Williams ist das wohl ein Drogen-Affe. Bei mir ist es eher der Gorilla als Aufpasser. Der Name Sasha heißt übersetzt ja auch "Der Beschützer". Ich habe ein gemaltes Bild in der Küche hängen, da ist ein Riesengorilla drauf, der einen kleinen Kranich beschützt. Klingt kitschig, ist aber ein Mega-Bild von einem guten Freund von mir und aufstrebenden Künstler, Maximilian Schmidbauer heißt der. Das Bild inspirierte mich zum Song. Ich werde ja auch ab und zu der Gorilla genannt - das hat physiognomische Gründe, weil ich langsam schon gewisse Ähnlichkeiten aufweise: viel zu lange Arme für meine Größe, relativ kräftig, ein bisschen behaart auch an den richtigen Stellen ...

magistrix: Auf dem Rücken?

Sasha: Nee, ich meine, an den richtigen Stellen! Der Gorilla ist für mich ein bisschen die Metapher für den, der rauskommt, wenn man mich zu sehr ärgert. Ich bin eigentlich ein sehr genügsamer Mensch. Es dauert sehr lange, bis man mich aus der Reserve lockt. Aber wenn das geschehen ist, dann brauche ich diesen Typen, der mich beschützt. Und das bin natürlich ich selber, aber in der Form des polternden, starken und prügelnden Gorillas.

magistrix: Was poltert denn aus Ihnen heraus?

Sasha: Ich kann echt an die Decke gehen, wenn mich etwas stört.

magistrix: Wann war das zuletzt der Fall?

Sasha: Ich kann zum Beispiel nicht leiden, wenn man meine Freundin beleidigt oder meine Familie. Ach, es gibt so Vollidioten, die das tun, ohne zu wissen, dass es diesen Gorilla gibt.

magistrix: So anonyme Hater im Internet?

Sasha: Auf anonyme Menschen kann ich nicht böse sein. Nein, ich meine, wenn jemand unverschämt ist. Dann habe ich so ein altes Ehrgefühl, das muss ich dann auch verteidigen.

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