Musik News: Udo Lindenberg - nach Trinkerei unterm Säufermond kommt jetzt die Ausstellung

Wed, 21 Dec 2011 10:43:00 GMT von

Udo Lindenberg

(Quelle: Piano Piano!,Lizenz: CC BY 2.0)

Udo Lindenberg

Er ist ein Kumpeltyp und gerade heraus, weshalb sich Udo Lindenberg​ am liebsten auf Deutsch ausdrückt. Im Doppelinterview mit seinem Kollegen Clueso, mit dem er auf dem Album "MTV Unplugged" den Klassiker "Cello" zum Besten gibt, verrät der Panikrocker, dass er lieber auf Deutsch als auf Englisch singt.

"Ich wollte viel ausdrücken, und mein Englisch war dazu nicht gut genug. Mehr so holterdipolter." Allerdings brachte Udo sein Debütalbum 1971 dennoch auf Englisch heraus, was der Musiker mit den Worten erklärt: "Wahrscheinlich wollte ich damals gleich ein Weltstar werden, ein so leckeres Kerlchen wie ich war. Everybody sings english, ich also auch", erinnert er sich im Gespräch mit der "Berliner Morgenpost". "Bis ich mir sagte: Englisch macht jeder, mach ich lieber Deutsch. Meine Idole waren David Bowie, großer King, oder Typen wie Miles Davis, dann kamen Led Zeppelin und die Rolling Stones um die Ecke, in der Zeit der Erfinder." Ebenso Clueso, sein junger Kollege entschied sich ganz bewusst dafür, auf Deutsch zu singen. "1995, im Hip-Hop, gab es wieder den Kampf zwischen Englisch und Deutsch. Aber auch mein Englisch war zu schlecht. Ich habe es probiert, wollte mich aber nicht lächerlich machen", gesteht er.

Trotz wachsendem Erfolg kam die persönliche Krise

Während Udo in den 80ern mit seiner Musik immer erfolgreicher wurde, gesteht er, dass das folgende Jahrzehnt für ihn "Phasen einer Krise" beinhaltete. "Die Neunziger waren für mich hauptberuflich Trinkerei unterm Säufermond", erinnert er sich. "Ich war allerdings mehr der Erleuchtungstrinker wie viele andere Kollegen früher auch. Wie Beethoven, Mozart und Goethe, immer hoch die Tassen und bisschen gegurgelt. Nicht um sich zuzuziehen, sondern für neue Kicks." Die Zeit habe für ihn gearbeitet und alles hätte sich zum Guten gewendet. "Jetzt habe ich wieder eine große Familie, mit Clueso, Jan Delay​, Helge Schneider​. Wir rufen uns an, sagen Hallöchen und besuchen uns auf der Bühne", freut sich der Rocker, der seit einigen Jahren wieder so gefragt ist wie nie.
 
"Udo. Die Ausstellung"

Ab heute gibt es im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe eine wunderbare Ausstellung über das Leben und Wirken von Udo Lindenberg zu sehen. Der Musiker selber ist völlig überwältigt und verzückt, wie umfangreich diese Werkschau geworden ist. So findet man ihn denn mit seinem typischen Hut und der Sonnebrille im Gesicht, zwischen den Vitrinen und vor seinen Gemälden stehen, während er nuschelnd über das Gesehene sinniert. Wie er da so steht, wirkt er selbst ein wenig wie eines der ausgestellten Exponate. Das widerum bewegte Bernd Kauffmann, Generalbevollmächtigter der veranstaltenden Stiftung Schloss Neuhardenberg in seiner Begrüßungsrede, zur Eröffnung der Ausstellung, mit der sich das Hamburger Museum dem ungewöhnlichen Lebenslauf des Deutschrockers widmet, zu den Worten: "Heute freue ich mich ganz einfach mit all den anderen, dass es Dich gibt und dass Du hier real vorhanden bist." Die liebevolle Ernsthaftigkeit, mit der in dieser Sammlung Schulzeugnisse, Bühnengarderobe, Plattencover, Adressbücher und Notizzettel-Kritzeleien gezeigt werden, kommt in Teilen befremdlich und fast komisch rüber. Doch spiegelt dieses ein Bild von Udo Lindenberg wider, dessen öffentliche Auftritte und Interviews häufig auf der Kippe zur Selbstkarikatur stehen und den Betrachter abwechselnd irritiert und fasziniert zurücklassen.
Die Ausstellung beleuchtet 65 Lebensjahre, die von der Kindheit über die musikalischen Anfänge als Schlagzeuger in Jazz- und Rock'n'Roll-Bands bis zur große Bühne reichen. Mit über 400 Exponaten an 14 Stationen, wird dem Besucher aber ebenso sein politisches Engagement und die Hinwendung zur Malerei gezeigt. Anhand all dieser Gegenstände lässt sich ein gutes Stück deutscher Geschichte erzählen. Fotos mit Willy Brandt, Helmut Schmidt, Richard von Weizsäcker, Michail Gorbatschow und natürlich Udos Duz-Freund Erich "Honni" Honecker belegen, wie nah er insbesondere in den 80er und 90er Jahren am Zeitgeschehen war. Auszüge aus Lindenbergs Stasi-Akte zählen zu den interessantesten Ausstellungsstücken. Der Versuch, mittels Möbeln aus Udos Hotelsuite, in der er seit über 15 Jahren wohnt, dem Menschen hinter der Kunstfigur näherzukommen, scheitert zwar an der musealen Atmosphäre, jedoch wird die Schau ihrem Objekt ganz und gar gerecht.

"Udo. Die Ausstellung" ist bis 11. März 2012 im Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg zu sehen.
 



Diskussion

Dein Kommentar

  1. (freiwillig, wird nicht veröffentlicht)

Kommentare

  • unbekannt
    Wed, 28 Dec 2011 21:09:42 GMT udo ist der beste von jacko (Gast)

    hatte das glück udo persönlich kennenzulernen. er ist super nett und eben
    einfach noch mensch! nicht so ein abgehobener promi! seine songs begleiten mich
    seit 1976 und ich bin einer seiner grössten fans

Feedback