Thu, 08 Dec 2011 11:06:00 GMT
von
Annette
Nach mehr als drei Jahrzehnten ist der R.E.M.-Sänger Michael Stipe heilfroh über die Auflösung der Rockband. "Ich kann mein Glück kaum in Worte fassen, ich fühle mich so befreit wie lange nicht mehr", sagte der 51-Jährige der Wochenzeitung "Die Zeit".
Im vergangenen September hat sich die US-Band R.E.M. ("Everybody Hurts", "Losing My Religion") aufgelöst. Ex-Frontmann Stipe ist stolz darauf, dass alle Band-Mitglieder auch nach 32 Jahren noch freundschaftlich verbunden sind.
"Eine Rock 'n' Roll-Band funktioniert letztlich auch nur wie eine Ehe, also mit vielen Kompromissen", sagte er im Interview. Viele Rockmusiker hätten den besten Zeitpunkt zum Aufhören verpasst. Namen wolle er aber keine nennen. Die Frage ob R.E.M. je wiederbelebt werden würde, verneinte der Sänger vehement: "Wir haben einfach keine Lust mehr auf so ein Starleben. Und diese Abneigung dürfte eher zu- als abnehmen." Doch obgleich Stipe beteuert, dass ihm mit der Trennung von der Band ein Stein vom Herzen fiel, gibt er zu, nach wie vor „unter Strom“ zu stehen. „Ich bin jetzt 51 und war seit meinem 22. Lebensjahr an einen Plattenvertrag gebunden. Ich habe es oft genossen, in einer Band zu sein, aber es war zeitweilig auch sehr, sehr stressig“. Das ist nun vorbei, aber sehr viel lockerer werde ich deshalb noch lange nicht.“ Als Grund dafür nennt er, dass er generell ein unentspannter Mensch sei.
Michael Stipe wollte früher immer berühmt werden
Dabei hatte alles mal ganz anders begonnen: Michael Stipe wurde mit dem Ziel Musiker, berühmt zu werden. Der Sänger verriet, dass er vor dem endgültigen kommerziellen Durchbruch der Band Anfang der 1990er eigentlich nur ins Rampenlicht der Öffentlichkeit wollte.„Ich wollte vor allem berühmt werden, schon mein ganzes Leben lang“, erklärt der 51-Jährige, den auch seine extreme Schüchternheit damals nicht davon abhielt, sich seinen Wunsch zu erfüllen. „Ich war schüchtern, aber getrieben. Das mit der Schüchternheit hat sich mittlerweile gebessert. Ich musste lernen, mit fremden Menschen zu sprechen, ihnen überhaupt in die Augen zu blicken.“ Probleme vor einem Publikum zu singen, hätte er dagegen nie gehabt. „Ein großes Publikum bleibt, von der Bühne aus betrachtet, abstrakt“, erläutert er und gesteht, dass ihm ein simpler Einkauf dagegen recht schwer falle. Dies sei für ihn sogar ein „Albtraum“. Dazu verrät er dann:„Es kostet mich bis heute Überwindung, ein Geschäft zu betreten, in dem vielleicht nur ein Verkäufer steht. Ich schaffe es kaum, ihn anzusprechen. Ein Hemd zu kaufen ist für mich die Hölle. Dem Verkäufer zu sagen, welche Größe ich benötige, fällt mir schwer.“
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