Ray Wilson und Stiltskin ließen die Music Hall erbeben

Mon, 12 Nov 2012 11:23:00 GMT von

Am Freitag stattete der schottische Musiker Ray Wilson samt Band dem Künstlerdorf Worpswede einen Besuch ab. Gute dreieinhalb Stunden lang schwelgten die Zuhörer in musikalischen Erinnerungen.

Auf seiner aktuellen Herbsttournee machte Ray Wilson mit seiner Band Stiltskin Halt im Bremer Umland. Die traditionelle "Music Hall" in Worpswede bot dazu am vergangenen Freitagabend das passende Ambiente. In überschaubarem Rahmen fanden sich dort Fans unterschiedlichen Alters zu einem Ohrenschmaus ein. Wenngleich das Warm-up-Prozedere, das am Freitag durch Wilsons Leadgitarristen Ali Ferguson, den Bassgitarristen Lawrie Macmillan und Ashley Macmillan am Schlagzeug fast narkotisierende Auswirkungen hatte, so ließ der daran anschließende Teil der kompletten Band alle wieder hellwach werden.

Leadgitarrist mit Solokarriere

Ali Ferguson ist zweifelsohne ein Virtuose an der Gitarre. Ganze fünf verschiedene Exemplare standen ihm auf der Bühne zu Verfügung und auf jeder spielt er wie ein Gott. Sein Talent führte bereits dazu, dass er Anfang Mai 2011 ein Soloalbum unter dem Namen "The Windmill And The Stars" veröffentlichte. Doch waren seine Interpretationen am 09. November in Worpswede sehr Blueslastig, weshalb die Zuhörer nicht so recht in Schwung kamen, was andererseits die Aufgabe jedes Support-Acts ein sollte. Man durfte sich zwar an sehr virtuos vorgetragenen Stücken erfreuen, die jedoch so wenig Pep hatten, so dass man Mühe hatte das Sandmännchen auf Abstand zu halten.

Das Publikum Folgt

Nachdem Ali Ferguson sein Mini-Solo-Konzert beendet hatte, folgte eine kleiner Umbau auf der Bühne und dann ging es richtig los. Wie bereits bei den anderen Konzerten, die Ray Wilson und Stiltskin in den vergangenen Wochen gaben, erging auch in Worpswede der Aufruf an die Zuhörer "Follow You Follow me", dem diese willig nachkamen. Wilson, der bekanntermaßen eine gewisse Zeit Mitglied bei der Gruppe Genesis war, nachdem Phil Collins dort ausgestiegen war, legte seinen Fokus ganz eindeutig auf die alten Songs dieser Ära. Es wurde getanzt und mitgesungen, was den Sänger sichtlich erfreute. Wer sich Tickets für diesen Abend besorgt hatte, wusste natürlich wie der Hase läuft und bekannte sich gleichzeitig als alter Genesis-Fan. Eine Band aus lauter hochkarätigen Instrumentalisten tat ihr Übriges, dass die "Music Hall" erzittern konnte.

Brüder im Einklang

Mitgebracht hatte Ray Wilson für den Gig neben seinen Bandmitgliedern, die ihm auch sonst  zur Verfügung stehen, noch seinen Bruder Steve. Ein Mann, der sich bestens auf das Saitenzupfen von Gitarren versteht und zudem noch singen kann. Zusätzlich gab es den unglaublich begnadeten Pianisten Darek Tarczewski und die beiden Geigerinnen Alicja Chrzaszcz und Basia Szelagiewicz. Damit war dann die relativ kleine Bühne auch gut gefüllt, wobei aber trotzdem niemand Platzangst bekommen brauchte.

Im Verlauf des Abends wurden vorrangig alte Stücke, die einst von Phil Collins gesungen wurden, von Ray Wilson interpretiert. Dabei durften Klassiker wie "Mama", "Thats All" und "Jesus He Knows Me", ebensowenig fehlen wie auch "Carpet Crawlers". Aufgelockert wurde das Konzert durch einzelne Soli der verschiedenen Musiker. So durften beispielsweise die beiden Geigerinnen durch Vivaldis "Vier Jahreszeiten" im Kurzmedley-Format einen Einblick in ihre Fähigkeiten geben, was zwar sehr kunstvoll, aber nicht unbedingt tauglich für ein Rockkonzert war.

Werbung inklusive

Seit 1994 singt Ray Wilson bei Stiltskin und natürlich durfte am Freitagabend nicht der eine bestimmte, Song fehlen, durch den diese Band größere Bekanntheit erlangte. Die Rede ist von "Inside", der Debütsingle aus dem Jahr 1994. Der Jeanshersteller Levis wählte das Lied seinerzeit für einen Werbespot zur weltberühmten 501 Jeans und so waren auch am 9. November die Zuhörer begeistert, nochmals mitsingen zu dürfen.

Was auffiel war, die Energie die von der gesamten Bühnenbesetzung ausging. Alle Lieder wurden von der ersten bis zur letzten Note mit einem unglaublichen Enthusiasmus vorgetragen, die einzelnen Spieler verschmolzen mit ihren Instrumenten und gleichsam auch miteinander. Das übertrug sich eins zu eins auf die Zuhörer und so merkte wohl kaum jemand wie die Zeit ihren Lauf nahm. Es ging bereits auf Mitternacht zu, als sich die Musiker zum Abmarsch anschicken wollten. Natürlich ließen sie sich nicht lange bitten, noch die eine oder andere Zugabe zu spielen und dabei zeigte sich, was sie noch alles aus dem Hut zaubern konnten.

Glücksgefühle im Herbst

Das Fazit dieses Abends ist ganz einfach gezogen: Wer die mal raue und dann wieder sanfte Stimme von Ray Wilson liebt, Wert auf Musiker mit einem großen Können legt und zudem immer mal wieder alte Genesis Platten auflegt, der konnte den Auftritt der Band mit Sicherheit genießen und ging an einem nasskalten Novemberabend mit Glücksgefühlen heimwärts. Dieses Konzert gehörte eindeutig zu jenen, wo dem geneigten Publikum Qualität auf hohem Niveau gepaart mit echter Leidenschaft geboten wurde. Weitere Orte und Termine für diese Konzertreise gibt es hier.





 



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