Jean-Michel Jarre - Oxygene 3
erhältlich ab
02.12.2016
Genre
  • Rock/Pop
  • Ambient / House
Label
Sony
Vertrieb
Sony
Laufzeit
Redaktion
Eure Bewertung

Elektrotechniker mit Herz

Jean-Michel Jarre zählt zu den einflussreichsten Pionieren elektronischer Klänge. Kaum ein Musiker, der sich mit Elektro-Pop auseinandersetzt, kommt bei der Frage nach seinen Einflüssen nicht auch auf den Franzosen zu sprechen.

Mit "Oxygene" begann das Ausnahmetalent in den späten 70-ern seine Weltkarriere; das Album gilt als Meilenstein, weil es das Genre mit seiner Mischung aus sphärischen Klängen und Melodien einem breiten Publikum eröffnete. 20 Jahre später erschien mit "Oxygene 7-13" eine Fortsetzung des frühen Werks. Nun knüpft Jarre mit seinem neuen Album "Oxygene 3" erneut an seine Anfänge an.

Der Erscheinungstermin ist kein Zufall: Der dritte Teil des Zyklus erscheint zum 40. Jubiläum des Originals. "Oxygene 3" ist dabei kein Remake, sondern der Abschluss einer Trilogie mit neuen Ideen; konsequenterweise tragen die sieben Stücke die schlichten Titel "Oxygene" - 14 bis 20. Aus dem Zeitdruck des näherrückenden Jubiläums schuf sich Jarre bei den Aufnahmen eine selbstgesetzte Deadline: "Ich spornte mich selbst an und gestattete mir sechs Wochen für die Aufnahmen, wie schon beim ersten Album." Für die Produktion benutzte Jarre sowohl Oldschool-Equipment wie eine 8-Spur-Maschine als auch Hightech von heute. Die Tracks als solche sind zugleich ein Verweis auf die Anfänge des Elektrofachmanns und ein eigenständiges aktuelles Statement.

Das Ergebnis bietet dasselbe Klangerlebnis wie das Original - eine wohldosierte Mischung: zum einen sphärische Klänge, die mit wabernden, blubbernden, piepsenden, polternden und flächigen Synthie-Sounds zu einer Reise ins Science-Fiction-Kopfkino einladen, zum anderen die richtige Prise eingängiger Melodien, die den Schulterschluss mit wohlgefälliger Popmusik erlauben. Jarre beweist dabei einmal mehr sein größtes Talent: Niemand sonst hat ein derart sicheres Händchen dafür, kalte Elektronik mit der Emotionalität klassischer Kompositionen zu befüllen. Vielleicht liegt es in den Genen: Jean-Michels Vater Maurice Jarre zählte zu den erfolgreichsten Filmkomponisten und wurde unter anderem für die Soundtracks zu "Lawrence von Arabien" und "Doktor Schiwago" mit dem Oscar gekürt.

"Oxygene 3" macht eindrucksvoll deutlich, warum es Jarres Musik zu Weltruhm brachte. Elektronische Klangteppiche, die ein breites Spektrum unterschiedlichster Stimmungen transportieren, kennzeichnen sein Œuvre und das neue Werk. Für eines allerdings sind die Stücke des letzten Teils der Trilogie nicht geeignet: als Tanzflächen-Lockmittel im Club. Denn obwohl Jarre mit seiner Musik das elektronische Dance-Genre maßgeblich beeinflusste, kommt "Oxygene 3" ohne wuchtige Beats aus. Auch das ist der Tradition geschuldet: "Das erste Album war damals so speziell, weil es auf Minimalismus fußte", so Jarre.

Das Album dürfte treue Fans ebenso anziehen wie späte Entdecker des Altmeisters. Hardcore-Huldigern sei das "Oxygene"-Trilogy-Box-Set ans Herz gelegt. Es enthält neben den drei "Oxygene"-Alben auf CD und Vinyl auch ein Buch im imposanten Coffee-Table-Format mit Fotos, Notizen und anderen Blicken hinter die Kulissen der Entstehungsgeschichte eines der einflussreichsten Alben aller Zeiten - und der Fortsetzung dieser Geschichte.

Michael Eichhammer
teleschau | der mediendienst

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